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Wissenswertes über Inkontinenz


[Was ist Harninkontinenz] [Wie funktioniert der untere Harntrakt] [Unterschiedliche Formen der Harninkontinenz] [Stress-Inkontinenz] [Drang-Inkontinenz] [Überlauf-Inkontinenz] [Was getan werden kann] [Blasentraining] [Beckenbodentraining] [Was Hormone für Sie tun] [Operation] [Inkontinenz-Hygieneprodukte]

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[Anleitung 'Beckenbodentraining']


Was ist Harninkontinenz?             (Nach oben)

Harninkontinenz ist der medizinische Begriff für ein Problem, das von den betroffenen Frauen oft auch als Blasenschwäche bezeichnet wird. Gemeint ist die Unfähigkeit, den Urin bewusst zurückzuhalten, oder ein unnatürlich häufiger starker Harndrang. Es kann also zu unkontrolliertem Harnverlust kommen.

Man schätzt, dass in der Schweiz mehr als 400'000 Menschen diese Schwierigkeiten haben. Harninkontinenz kann die unterschiedlichsten Gründe haben und in jedem Lebensalter auftreten. Die Wahrscheinlichkeit, inkontinent zu werden, nimmt jedoch mit fortschreitendem Alter zu.

Aufgrund des weiblichen Körperbaus sind Frauen häufiger als Männer von Blasenschwäche betroffen, besonders in der Zeit um die Menopause und danach. Die meisten Frauen fühlen sich durch den ungewollten Harnverlust sehr belastet und versuchen, ihr Problem zu verbergen. Es ist ihnen peinlich, darüber zu reden, und viele nehmen die Belästigung resigniert als unabänderlich hin. Im schlimmsten Fall ziehen sie sich aus Angst, ihre Inkontinenz könnte entdeckt werden, völlig zurück. Freundschaften gehen verloren, Kontakte werden aufgegeben.

Dies alles muss nicht sein: denn längst ist die Harninkontinenz kein unvermeidliches Schicksal mehr. Heute kann auf vielfache Weise geholfen werden.

Manchmal gelingt sogar eine völlige Wiederherstellung; jedenfalls aber ist ein ganz normales Leben möglich mit ungestörter Bewegungsfreiheit, Freundschaften und allen Aktivitäten, die das Leben ausmachen.

Am Anfang des Weges in ein neues, aktives Leben steht das offene Gespräch mit dem Arzt: denn für die Behandlung ist es wichtig, die Ursache der Störung zu erkennen. Zunächst aber sollte die betroffene Frau alle Informationen erhalten, um sich selbst ein Bild über ihr Problem zu machen - damit sie ihre Unsicherheit verliert und ihre Chancen erkennen und wahrnehmen kann. Um besser zu verstehen, was Blasenschwäche ist und welche Ursachen zugrunde liegen können, folgt hier ein Einblick in die normale Funktion des unteren Harntraktes. Danach soll über die Störungen gesprochen werden, die eine Harninkontinenz auslösen.

Wie funktioniert der untere Harntrakt?         (Nach oben)

Die Nieren und die ableitenden Harnwege, haben eine wichtige Aufgabe im Wasserhaushalt des Körpers und bei der "Entsorgung" der Endprodukte des Stoffwechsels.

Aus den Nieren fliesst der Harn durch die beiden Harnleiter in die Blase. Die Blase ist kugelförmig und innen hohl, sie ist sehr dehnbar, ihre Wände haben Muskeln. In der Blase wird der Urin gespeichert und zurückgehalten, bis er durch die Harnröhre entleert wird. Die Harnröhre wird durch ein Verschluss- System kontrolliert, an dem auch die Muskeln des Beckenbodens beteiligt sind.

Wenn sich die Blase füllt, vergrössert sie sich; dabei wird ihre Muskulatur gedehnt. Dieser Dehnungsreiz wird über ein Nervenzentrum im Rückenmark an das Gehirn geleitet und dort als ,,Harndrang" bewusst, Der Impuls zur willentlichen Blasenentleerung geht dann vom Gehirn aus über die gleiche Nervenvermittlung zurück in den unteren Harntrakt. Zur Entleerung zieht sich die Blase zusammen, gleichzeitig erschlafft der Verschluss; der Urin fliesst ab.


Vereinfacht gesagt, entsteht die Harninkontinenz durch Funktionsstörungen in den drei Organbereichen, die bei der normalen, willentlichen Harnentleerung ungestört zusammenwirken: Blasenmuskulatur, Verschluss-System der Harnröhre und koordinierendes Nervenzentrum. Es gibt unterschiedliche Arten von Blasenschwäche, vielfach auch Mischformen, die abhängig von den zugrundeliegenden Störungen behandelt werden müssen. Darum ist es so wichtig, den Arzt aufzusuchen und eine exakte Diagnose der Grunderkrankung stellen zu lassen.

Wie bereits erwähnt, kann also eine Störung in drei Organbereichen vorliegen.
Die Blase als Speicherorgan kann nicht mehr richtig funktionieren; sie entfaltet sich nicht mehr, verursacht zu früh Harndrang und entleert sich unkontrolliert. Die Ursache dieser Störung können Hormonmangel (Nachlassen der Elastizität), chronische Infektionen (erhöhte Reizung, langjähriges falsches Verhalten beim Trinken (zu wenig) oder Wasserlassen (Blase wird zu früh entleert) sein. Es handelt sich also um ,"Reservoirstörungen", die meist zu Reizblasenbeschwerden führen.

Daneben kann eine Störung des Verschlussmechanismus vorliegen. Auch hier ist die Ursache ein Hormonmangel. Die Schleimhaut welche die Harnröhre auskleidet, wird dünner und trockener und dichtet deshalb schlecht. Sie kann auch chronisch gereizt sein. Auch das umgebende Gewebe, die Muskulatur und das Bindegewebe verlieren an Elastizität und Durchblutung und schliessen deshalb schlechter. Das Bindegewebe lässt in seiner Stützfunktion nach, entweder als Folge einer angeborenen Bindegewebeschwäche oder einer Schädigung durch mehrere Geburten. Dies führt zu einer Verschlussschwäche, die bei körperlicher Belastung zu Harninkontinenz, meist ohne Reizblasenbeschwerden, führen kann. Diese Verschlussschwäche kann teilweise kombiniert sein mit einer Senkung der Blase und der Gebärmutter.

Schliesslich kann eine Störung auch in der Steuerung durch das Nervenzentrum vorliegen. Dies wird besonders bei älteren Leuten zu einem Problem, da bei Verwirrtheitszuständen die Kontrolle des komplizierten Zusammenspiels von Verschlussmechanismus und Blase schwer zu steuern ist.

Den auslösenden Ursachen entsprechend, wird die Harninkontinenz meist in drei Gruppen eingeteilt, die mit ihren charakteristischen Merkmalen nachfolgend beschrieben werden. Es sei nochmals darauf hingewiesen, dass eine Harninkontinenz mehrere Ursachen gleichzeitig haben kann, und die Betroffenen dann ihr individuelles Problem in unterschiedlichen Gruppen beschrieben finden.

Unterschiedliche Formen der Harninkontinenz         (Nach oben)

Stress-Inkontinenz         (Nach oben)

Hierbei handelt es sich mit 60% aller Fälle um die häufigste Art der Inkontinenz, welche u.a. auch hei jüngeren Frauen vorkommt. Mit ,,Stress" ist hier ein Druckanstieg in der Bauchhöhle gemeint, der bei Niesen, Husten und Lachen oder beim Hochheben einer Last auftritt. Normalerweise widersteht der Verschluss der Harnröhre dem Stress einer sich plötzlich auftretenden Druckerhöhung. Wenn der Aufhängeapparat oder die Bänder, welche die Harnröhre unterstürzen, nachlassen und wenn nicht mit Hilfe der Beckenbodenmuskulatur der Verschluss- mechanismus unter Stresssituationen verbessert wird, kann es zu unfreiwilligem Urinverlust kommen.

Drang-Inkontinenz        (Nach oben)

Die Drang-Inkontinenz macht ca. 20 bis 25% aller Blasenstörungen aus und tritt vor allem bei älteren Frauen auf. Normalerweise hat die Blase ein Fassungsvermögen von 300 bis 500 ml. Wird diese Kapazität nicht trainiert, so kann die Blase kleiner werden. Der Harndrang tritt dann immer früher auf oder kann so plötzlich auftreten oder so stark sein, dass sich die Blase spontan zusammenzieht und unaufhaltsam Urin entleert. Die Drang-Inkontinenz wird oft durch Harnweginfekte hervorgerufen, auch Diabetes oder andere Erkrankungen können mitwirken.

Es gibt auch Mischformen von Drang- und Stressinkontinenz. Neben diesen häufigen Formen gibt es auch andere, seltenere Formen der Inkontinenz. Erwähnt sei hier nur noch eine Form;

Überlauf-Inkontinenz         (Nach oben)

Die Überlauf-Inkontinenz ist eine Blasen-Entleerungsstörung. Sie tritt u.a. bei Abflusshindernis oder bei Muskelschwäche der Blase auf. Dabei ist die Blase ständig prall gefüllt, aber nur kleine Urinmengen gehen in unregelmässigen Abständen unkontrolliert ab, ohne dass die Blase wirklich entleert wird. Dies wird oft durch eine Einengung oder Verlegung der Harnröhre verursacht. Beim Mann geschieht dies, wenn die Harnröhre durch die Prostata verengt ist. Es handelt sich deshalb bei der Überlauf-lnkontinenz um die typische ,"Männerkrankheit". Bei der Frau kommt sie seltener vor, z.B. bei narbiger Einengung, bei starker Senkung wegen Abknickens der Harnröhre oder bei Erkrankungen der Blasenmuskulatur und des Nervensystems.

Was getan werden kann         (Nach oben)

Es stimmt , dass in jungen Jahren jede zehnte Frau, im hoher Alter jede zweite Frau unter Harninkontinenz und Blasenbeschwerden leidet. Immer noch halten viele ihre Beschwerden geheim, statt Sich an den Arzt oder Apotheker zu wenden.

Sprechen Sie Ihren Hausapotheker oder Hausarzt an oder erörtern Sie das Problem mit Ihrem Frauenarzt. Er wird Ihre Sorgen bestens verstehen, denn für ihn ist Harninkontinenz ein ,"alltägliches" Problem. Schildern Sie Ihre Beschwerden so präzis wie möglich und beantworten Sie die Fragen genau. Je besser Sie mit dem Arzt zusammenarbeiten, desto erfolgreicher können Sie gemeinsam an die Lösung Ihres individuellen Problems herangehen. Denn für jede Art der Inkontinenz gibt es entsprechende Behandlungsmöglichkeiten, die Ihre Beschwerden verbessern oder sogar heilen können. oft sind es einfache Verhaltensänderungen wie mehr trinken, Beckenbodentraining oder Blasenentleerungstraining. Nach den Wechseljahren helfen meist Hormone oder die Behandlung der chronischen Entzündung. Nur gelegentlich kann eine Operation nicht vermieden werden.

Auf die wichtigsten Therapiemöglichkeiten soll im folgenden eingegangen werden.

Blasentraining         (Nach oben)

Ziel ist die Steigerung der Blasenkapazität. Bei einer konstanten täglichen Trinkmenge versuchen Sie, die zeitlichen Abstände zwischen dem Gang zur Toilette auszudehnen. Die Blase lernt somit, mehr Wasser aufzunehmen und zu behalten, ohne dass Urin abgeht. Die Harnmenge sollte täglich zwischen 1500 und 2000 ml und durchschnittlich pro Mal rund 300 ml betragen. Regelmässige Besprechungen mit dem Arzt oder Apotheker und die Erfolgskontrolle durch schriftliche Aufzeichnungen erleichtern das Training.

Beckenbodentraining         (Nach oben)

Durch konsequentes Beckenbodentraining können Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz und auch sexuelle Funktionsstörungen gebessert und sogar geheilt werden. Vorteilhaft ist eine erste Anleitung durch eine(n) geschulte(n) Physiotherapeutin/en.

Das Training beginnt mit dem Spüren und Bewusstmachen der Beckenbodenmuskulatur und mit dem Erlernen und Üben der Beckenbodenmuskelkontraktionen. Danach werden die Beckenbodenmuskeln durch intensives Training gestärkt. Schrittweise wird dann die Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur in den Alltag integriert, beim Laufen, bei sportlicher Betätigung, beim Niesen, beim Lachen, beim Heben von Lasten usw.
                                                                         Anleitung zum Beckenbodentraining

Was Hormone für Sie tun         (Nach oben)

Nach der Menopause produzieren die Eierstöcke immer weniger Östroger, jedoch entstehen noch Östrogenvorstufen in den Eierstöcken und in der Nebennierenrinde, die im Fettgewebe zu aktivem Östrogen umgewandelt werden. Das erklärt auch, dass nicht alle Frauen gleich stark leiden. Welche Einwirkungen hat Östrogen nebst dem Einfluss auf die Schliessfunktion von Blase und Harnröhre? Die Scheide und die Harnröhre haben den gleichen Ursprung. Es ist deshalb verständlich, dass beide auf den Hormonabfall gleich reagieren. Die Durchblutung und Durchleuchtung des Gewebes nimmt ab, die Elastizität geht verloren. Urin kann leichter austreten. Die Schleimhaut im gesamten Genitalbereich, der Harnröhre und der Scheide wird trocken, dünn, rissig. Spürbar wird dies durch Jucken, Brennen und Beissen im Bereich der Scheide und beim Wasserlassen. Es entsteht häufiger Harndrang. Trockene, verletzbare Schleimhaut und fehlende Elastizität der Scheide können Schmerzen beim Geschlechtsverkehr verursachen. Die Frau wird anfälliger auf Infektionen von Harnröhre, Blase und Genitalbereich. Infekte verursachen Brennen und gehäuftes Wasserlösen. Die Beckenbodenmuskeln, die für den Harnröhrenverschluss verantwortlich sind, werden schlaff, so dass leichter Harn austreten kann. Bei Frauen, die mehrmals geboren haben, besteht dafür ein grösseres Risiko. Der Arzt/die Ärztin kann ersetzen, was die Natur weggenommen hat - sofern Sie unter keinen gesundheitlichen Risiken leiden.

Die Östrogene bauen die Schleimhaut in der Harnröhre, der Blase und auch in der Scheide wieder auf. Der Zustand vor den Wechseljahren wird durch zugeführte Östrogene wieder hergestellt. Es sind verschiedene Östrogenpräparate erhältlich. Diese brauchen Sie oft nicht einmal zu schlucken, sondern eine lokale Applikation in Form eines Pflasters oder von vaginalen Zäpfchen ein- bis zweimal wöchentlich kann genügen. Wichtig sind jedoch immer regelmässige Kontrollen bei Ihrem Frauenarzt.

Wirkung:  Eine erste Besserung von Harninkontinenz, Drang, Brennen, Jucken und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr ist nach ca. 3 Wochen spürbar Da Östrogene etwas ersetzen, das fehlt, stellen sich beim Absetzen wieder dieselben Probleme ein. Deshalb empfiehlt sich eine andauernde Behandlung. Fragen Sie Ihren Arzt um weitere Informationen zu dieser Therapiemöglichkeit. In manchen Fällen verschwindet dadurch die lästige Blasenschwäche ganz.

Operation         (Nach oben)

Wenn sich nach drei Monaten trotz der dargestellten Massnahmen nur eine geringe oder gar keine Besserung anzeigt, kann auch eine Operation in Betracht gezogen werden. Die Gebärmutter wird dabei wieder in ihre ursprüngliche Lage hinaufgehoben und fixiert, damit sie nicht mehr auf die Blase drückt. Vor jeder Operation sollten aber de natürlichen Behandlungsmethoden voll ausgeschöpft werden, da sie oft zur Heilung führen. Wenn sie zur Heilung nicht ausreichen, wirken sie sich immerhin günstig auf die Operationsbehandlung und den späteren Heilungsverlauf aus.

Inkontinenz-Hygieneprodukte         (Nach oben)

In der Entwicklung dieser Produkte sind gerade in jüngster Zeit grosse Fortschritte erzielt worden. Von dieser Entwicklung profitiert besonders die grosse Anzahl derjenigen Frauen und Männer, die ein aktives Leben führen und Einschränkungen ihrer Mobilität nicht hinnehmen möchten. Um all diesen Menschen ihre volle Bewegungsfreiheit zurückzugeben, wurden verschiedenste Schutzeinlage entwickelt, denn trotz der zuvor aufgeführten Behandlungsmöglichkeiten kann ein unwillkürlicher Urinverlust nicht immer verhindert werden. Wir habe eine Beratungshilfe zusammengestellt, die Ihnen hilft, das richtige Produkt zu finden.