Vitalstoffe für den Diabetiker
Neben der Standardtherapie des Diabetes verdient die
zusätzliche Einnahme von Vitaminen und Vitalstoffen eine besondere Beachtung, da bei
vielen Diabetikern ein latenter Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen
besteht. Diabetiker haben durch ihre veränderte Stoffwechsellage einen erhöhten Bedarf
an bestimmten Nährstoffen. Eine frühzeitige Substitution spielt bei der Vorbeugung und
der Therapie diabetischer Spätfolgen eine wichtige Rolle. Durch den gezielten Einsatz von
Antioxidantien und bestimmten Spurenelementen wie z.B. Zink und Chrom lässt sich die
Häufigkeit von Folgeschäden an Augen, Herz, Nerven und Nieren reduzieren.
Zu den Folgeerkrankungen des Diabetes gehören:
Diabetische Gefässkrankheiten: Sie werden bei
Typ-II-Diabetikern häufig noch durch Übergewicht, Hypertonie und Hypercholesterinämie
gefördert. Das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko ist dadurch um das Drei- bis Vierfache
erhöht.
Diabetische Mikroangiopathie: Sie äussert sich
durch Schäden an der Niere (Nephropathie) und an der Netzhaut (Retinopathie). Der
Diabetes stellt die häufigste Ursache für die Erblindung im Erwachsenenalter dar. Die
Gefahr für den Diabetiker zu erblinden, ist zehnmal höher als für die übrige
Bevölkerung.
Katarakt: Mit zunehmendem Alter kann es zu einer
Trübung der Linse (= Katarakt) führen. Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko an einem
Katarakt zu erkranken, da der hohe Zuckerhgehalt im Blut die Synthese von Sorbitol aus
Glucose im Linsengewebe steigert. Die durch Sorbitol verursachte osmotische Schwellung
sowie auch die nicht-enzymatische Verzuckerung von Gewebeproteinen spielen eine Hauptrolle
bei der Entstehung eines Katarakts bei Diabetikern.
Diabetische Nervenschädigungen (Polyneuropathien):
Am häufigsten treten dabei sensorische Symptome, wie Taubheitsgefühl, Wadenkrämpfe,
evt. Muskelschwäche, sowie gastrointestinale Störungen (Obstipation u.a.) auf.
Hauptursache hierbei ist die gesteigerte Verzuckerung von Eiweissen und das vermehrte
Vorhandensein freier Radikale.
Diabetischer Fuss: Im schlimmsten Fall kann es
zur Entwicklung des sogenannten diabetischen Fusses führen, der als Folge eines über
Jahre schlecht eingestellten Diabetes mit diabetischer Neuropathie auftritt. Das Risiko
den ganzen Fuss zu verlieren ist beim Diabetiker um bis zu 30 mal höher als bei einem
Nichtdiabetiker.
Welche Vitalstoffe für den
Diabetiker?
Vitamin C
Der Diabetes ist mit einem erhöhten oxidativen Stress verbunden, der zu einem
gesteigerten Verbrauch an Vitamin-C- führt. Weiter konkurrenzieren Glucose und
Ascorbinsäure um den gleichen zellulären Transportmechanismus. Dadurch haben Diabetiker
gegenüber Nichtdiabetikern deutlich erniedrigte Vitamin-C-Plasmaspiegel und
intrazelluläre Vitamin-C-Konzentrationen.
Bei der Entwicklung der diabetischen Makro- und
Mikroangiopathien spielen hauptsächlich Sauerstoffradikale eine Rolle. Diese führen
durch Peroxidierung zu einer Vernetzung von Membranlipiden und folglich zu einer erhöhten
Membranpermeabilität. Daneben wird der Verzuckerung von Proteinen krankheitsauslösende
Bedeutung zugeordnet.
Vitamin C konkurriert wiederum mit Glucose um die
Aminogruppe von Proteinen. Durch eine Erhöhung der Vitamin-C-Konzentration lagert sich
vermehrt Vitamin C an die Aminogruppen der Proteine und verdrängt somit Glucose von
diesen Bindungsstellen. Vitamin C wirkt dadurch der Entstehung von Mikro- und
Makroangiopathien entgegen.
Die Zucker Glucose und Galaktose werden in der
Augenlinse zu ihren entsprechenden Zuckeralkoholen, z.B. Sorbitol, umgewandelt. Bei
Diabetikern reichert sich aber Sorbitol häufig in den Zellen an. Da die Zellmembranen
für diese Zuckeralkohole jedoch relativ undurchlässig sind, reichem sie sich auch in der
Linse an und führen zu einer osmotischen Schwellung und weiter zu einer
Gewebeschädigung. Vitamin C senkt in einer Dosierung von 1000 mg bis 2000 mg täglich die
intrazelluläre Sorbitol-Anreicherung und kann so den Ausbruch eines Kataraktes
hinauszögern bzw. verhindern.
Eine ergänzende Vitamin-C-Zufuhr von 2000 bis 3000 mg
täglich, verteilt über mehrere Einzeldosen, ist für Diabetiker durchaus empfehlenswert.
Es sollte allerdings nicht nur Vitamin C substituiert werden, sondern auch auf eine
Vitamin C-reiche Ernährung geachtet werden: Broccoli, Peperoni, Blumenkohl und
Zitrusfrüchte sind nicht nur reich an Vitamin C, sondern auch an Bioflavonoiden und
Carotinoiden, die den schützenden Effekt des Vitamin C verstärken.
Vitamin E
Diabetiker weisen neben einer intrazellulären Vitamin-C-Verarmung auch eine
intrazelluläre Vitamin-E-Verarmung auf. Ursache hierfür ist - wie auch bei Vitamin C -
zum einen der erhöhte oxidative Stress als auch die mit dem Diabetes häufig auftretenden
Fettstoffwechselstörungen, die mit einer Erhöhung der LDL und der Triglyceride
einhergehen. Vitamin E reichert sich als lipidlösliches Antioxidans in den LDL an und
schützt diese dadurch vor der Oxidation und damit der Bildung von arteriosklerotischen
Plaques. Vitamin E hemmt zudem die Glycosilierung von Proteinen. Das in der Membran durch
Reaktion mit Peroxiden oxidierte und damit inaktivierte Vitamin E wird durch Vitamin C
wieder in aktives Vitamin E umgewandelt. Zur Substitution werden 200 bis 400
IE.
(Internationale Einheiten) Vitamin E täglich empfohlen.
B-Vitamine
Die Vitamine B1 und B6 spielen eine wichtige Rolle für die Umwandlung von Zucker in
Energie. Sie unterdrücken die Umwandlung von Glucose zu Sorbitol und damit eine
schädliche intrazelluläre Anreicherung. Vitamin B12 fördert die Regeneration
geschädigter Nervenscheiden. Riboflavin ist ein Kofaktor des Enzyms Glutathionreduktase
und steigert als solches das antioxidative Abwehrsystem des Körpers. Riboflavinmangel
spielt auch bei der Entstehung eines Katarakts eine wesentliche Rolle.
Die präventive Wirkung von Vitamin B3 (Nikotinamid)
auf die Entstehung eines Typ-I-Diabetes durch zahlreiche Studien belegt. Nikotinamid ist
Bestandteil wichtiger Coenzyme im Kohlenhydrat- und Eiweissstoffwechsel. Ursache für die
Entstehung eines Typ-I-Diabetes ist eine Autoimmunreaktion, in deren Folge die
insulinproduzierenden Betazellen zerstört werden. Nikotinamid hemmt zum einen die
Zerstörung und fördert zum anderen die Regeneration der Betazellen. Dadurch wird die
Betazell-Funktion gesteigert und die Glucoseverwertung verbessert. Für einen
erfolgreichen Einsatz muss die Nikotinamid-Gabe allerdings so früh wie möglich erfolgen,
denn es sollte noch eine ausreichend hohe Inselzellrestfunktion vorliegen.
Zink
Eine funktionierende Versorgung mit Zink ist für die Funktionstüchtigkeit des Organismus
und des Immunsystems unentbehrlich. Zink ist als Spurenelement Bestandteil von mehr als
100 Enzymsystemen und damit an einer Vielzahl elementarer Stoffwechselreaktionen
beteiligt. Der tägliche Zinkbedarf eines Erwachsenen liegt bei etwa 15 mg und kann durch
eine ausgewogene Kost gedeckt werden (Leber, Austern, Linsen, gelbe Erbsen, weisse Bohnen,
Vollkornbrot u.a.). Diabetiker weisen besonders häufig eine Unterversorgung mit dem
Spurenelement Zink auf. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass Diabetiker
zum Teil eine um die Hälfte niedrigere Zinkkonzentration im Blut aufweisen als gesunde
Probanden. Bei Typ-I-Diabetikern ist der Zinkwert noch geringer als bei Altersdiabetikern.
Grund für den Zinkmangel ist bei Diabetikern eine zwei- bis dreifach erhöhte
Zinkausscheidung unter Glukosurie-Bedingungen. Bei erhöhter Ausscheidung via Niere
einerseits und verminderter Resorptionsrate andererseits ist langfristig mit einer
Zinkverarmung des Körpers zu rechnen. Durch den Zinkmangel sind bestimmte
Stoffwechselvorgänge beim Diabetiker beeinträchtigt: Zink ist funktionell am
Zuckerstoffwechsel beteiligt. Über das Enzym Carboxypeptidase - es katalysiert die
Umwandlung von Proinsulin in Insulin - beeinflusst Zink den Zuckerstoffwechsel. Noch
wichtiger ist, dass Zink in der Bauchspeicheldrüse in Form eines Zink-Insulin-Komplexes
gespeichert wird. Bei einer Unterversorgung wird die Insulin-Aktivität und -Neusynthese
beeinträchtigt und der Glukosetransport vermindert. Ein Zinkmangel führt darüber hinaus
zu einer verzögerten Wundheilung.
Chrom
Chrom ist ein essentielles Spurenelement. Es ist an fast allen insulinregulierenden
Aktivitäten beteiligt. Es ist aktiver Bestandteil des sogenannten Glucosetoleranzfaktors
(GTF), der nur bei ausreichender Anwesenheit von Chrom gebildet werden kann. Der GTF ist
ein Aminosäure-Chelat, der neben Chrom zwei Moleküle Nikotinsäure sowie
Cystein,
Glutamin und Glycin enthält. Durch diesen wird die Insulin-Zellrezeptor-Wirkung
gesteigert sowie die zelluläre Glucoseaufnahme verbessert. Der Glucosespiegel, das
Gesamtcholesterol als auch der Triglyceridspiegel, werden gesenkt, während das HDL (=
High Density Lipoproteins) erhöht wird.
Der Einsatz von Vitalstoffen darf die etablierte
Diabetes-Therapie nicht ersetzen, sondern kann diese nur unterstützend ergänzen. |